Coaching zur beruflichen Neuorientierung durch agsw

IMG_8240Seit 2012 bietet agsw erfolgreich das Programm „Beratung zur beruflichen Entwicklung“ im Hause des Märkischen Arbeitgeberverbandes an. Interessierte können sich in den Geschäftsstellen Iserlohn und Hagen zu ihrer beruflichen Weiterentwicklung oder Neuorientierung kostenlos beraten lassen. Das Programm wird mit finanzieller Unterstützung durch den Europäischen Sozialfonds und das Land NRW gefördert. Diese Form der Beratung ist bundesweit einzigartig. Im Interview mit MAV-Bildungsreferentin Sandra Finster berichtet Uta Kressin über ihre Erfahrungen. Kressin ist zertifizierte Bildungsexpertin und extra für das Beratungsprogramm akkreditiert.

 

Sandra Finster: Wie genau sieht Ihre Beratungsarbeit aus?

Uta Kressin: In der Regel rufen die Ratsuchenden bei mir an und wir vereinbaren einen Beratungstermin. In diesem Termin analysieren wir die berufliche Situation. Oft spielen dabei auch persönliche Belange eine Rolle. Danach überlegen wir gemeinsam, wie die Ziele aussehen und wie diese erreicht werden können. Ganz wichtig ist mir, dass wir neben den Anforderungen des Arbeitsmarktes auch die Interessen und Wünsche der Coachees beachten.

Sandra Finster: Welche Methoden und Tools setzen Sie ein?

Uta Kressin: Das ist ganz unterschiedlich. Bei einer Kompetenzbilanzierung benutze ich zum Beispiel den TalentKompass NRW. Generell kann ich sagen, dass es immer hilfreich ist, den Ratsuchenden viele Fragen zu stellen, damit sie ihre Situation gut reflektieren. Auch das Visualisieren der Ergebnisse auf Whiteboard oder Flipchart trägt dazu bei, dass die Coachees „gute“ Entscheidungen treffen können.

Sandra Finster: Wer kommt in die Beratung?

Uta Kressin: Auch das ist sehr unterschiedlich, das können Menschen sein, die beruflich aufsteigen oder sich umorientieren möchten. Vom Langzeitarbeitslosen bis zur angehenden Führungskraft ist alles dabei. Auch junge Menschen, die gerade ihre berufliche Laufbahn beginnen. Ich hatte sogar schon einen jungen Mann zur Beratung, der nicht wusste, ob er nach seiner Ausbildung direkt auf den Arbeitsmarkt gehen oder lieber noch studieren möchte. Persönlich finde ich es wichtig, Frauen nach der Familienzeit wieder ins Berufsleben zu begleiten, weil sie ein wichtiges Fachkräftepotential für die hiesigen Unternehmen bieten.

Sandra Finster: Können auch Menschen mit Zuwanderungsgeschichte von diesem Angebot profitieren?

Uta Kressin: Unbedingt! Das Angebot richtet sich auch an alle, die ihre im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen anerkennen lassen und für ihre berufliche Laufbahn nutzen wollen. Viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte verfügen über berufliche Kompetenzen, deren Anerkennung die Suche nach einem passenden Beschäftigungsverhältnis verbessern und die berufliche Weiterentwicklung unterstützen kann.

Sandra Finster: Profitieren auch die Unternehmen von diesen Beratungen?

Uta Kressin: Auf jeden Fall sind einige Kandidaten wertvolle Fachkräfte für die Unternehmen. Ein Unternehmer bat mich beispielsweise um Hilfe für eine junge Frau, die er aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter beschäftigen konnte. Er vermittelte sie in meine Beratung. Wir fanden heraus, dass ihr eine Weiterbildung helfen konnte und außerdem habe ich sie ausgiebig beim Bewerbungsprozess unterstützt. Sie hat in einem anderen Betrieb eine neue Stelle gefunden.

Sandra Finster: Ändern sich manchmal die Zielvorstellungen der Ratsuchenden?

Uta Kressin: Ja, das kommt tatsächlich vor. Eine Führungskraft kam zu mir und wollte auf jeden Fall ihr Unternehmen verlassen. Nach unserer Analyse stellte sich heraus, dass die Dame aber eigentlich glücklich mit ihrer Arbeit war. Es ging mehr darum, ihr zu helfen, mit Konfliktsituationen besser umzugehen. Das Positive an ihrem Job hat klar überwogen, das Unternehmen hat seine Führungskraft behalten. Das war eine Win-win-Situation für beide Seiten.

Sandra Finster: Sind die Gespräche vertraulich? Was kostet die Beratung?

Uta Kressin: Auf jeden Fall ist absolute Vertraulichkeit ein sehr hohes Gut. Weiter ist sehr wichtig, dass die Beratung kostenlos und ergebnisoffen ist. Jeder kann zu uns kommen und in das Programm aufgenommen werden. Jedes Beratungsergebnis ist „in Ordnung“, wenn es dem Ratsuchenden weiter hilft.

Sandra Finster: Viele Menschen haben sich lebenslanges Lernen auf ihre
persönliche Bildungsagenda gesetzt. Weiterbildung erfordert neben zeitlichen auch finanzielle Ressourcen. Gibt es hier Unterstützungsmöglichkeiten?

Uta Kressin: Im Rahmen einer Beratung stellt sich oft heraus, dass der Ratsuchende Qualifizierungsbedarf hat. Wir suchen dann gemeinsam nach einer geeigneten Weiterbildung. Wenn die Förderkriterien erfüllt sind, kann ich direkt einen Bildungsscheck NRW oder eine Bildungsprämie des Bundes ausstellen. Die Ratsuchenden müssen dafür keine andere Stelle aufsuchen, was alle sehr angenehm finden.

Sandra Finster: Wie lange dauern die Beratungen?

Uta Kressin: Das ist unterschiedlich. Es gibt Ratsuchende, die nur zwei Termine brauchen, andere schöpfen das Kontingent von neun Stunden aus. Die Beratungstermine können kurz hintereinander liegen oder auf einen längeren Zeitraum verteilt werden.

Sandra Finster: Sie beraten seit über fünf Jahren zur beruflichen Entwicklung. Was sin Ihre wichtigsten persönlichen Erfahrungen?

Uta Kressin: Insgesamt kann man sagen, es ist eine Beratung, die Hilfe zur Selbsthilfe geben möchte. Immer wieder habe ich festgestellt, dass Menschen mit Herausforderungen oder gar Krisen besser umgehen können, wenn man ihnen hilft, ihre Handlungskompetenz zu fördern. Mir liegt es am Herzen, die Menschen zu motivieren, ihre eigenen Potenziale zu erkennen und zu nutzen. Wenn das gelingt, bin ich zufrieden, ich freue mich dann wirklich für die Ratsuchenden.

Bildungsberatung für Beschäftigte und Arbeitssuchende:

Persönliche Beratungstermine in den MAV-Geschäftsstellen Hagen und Iserlohn vereinbart agsw bei Bedarf sehr gerne mit Ihnen. agsw arbeitet als akkreditierte Beratungsstelle in verschiedenen Förderprogrammen des Landes NRW und des Bundes sowie als Partner in lokalen und regionalen Netzwerken.

Kontakt: Uta Kressin, Tel: 02371/8291957 und 02331/922121, u.kressin@agsw.de

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